Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied in Luxemburg verringert sich mit zunehmender Beschäftigungsdauer nur für Arbeitnehmer/-innen in den Bereichen Recht, Soziales und Kultur

In Luxemburg sind die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede in einigen der gering qualifizierten Beschäftigungsgruppen groß, wie beispielsweise unter allgemeinen Bürokräften, Schreibkräften und Datenerfassern, Berufen im Bereich personenbezogene Dienstleistungen oder in Verkaufsberufen. Hingegen sind die Gehälter im Bereich der hoch qualifizierten Beschäftigungsgruppen, wie unter Lehrkräften, Betriebswirten und vergleichbaren akademischen Berufen, relativ gleich. In manchen Bereichen, wie Recht, Soziales und Kultur, verdienen Frauen nach einer bestimmten Beschäftigungsdauer mehr als Männer. Unter Betriebswirten und vergleichbaren akademischen Berufen wird der geschlechtsspezifische Lohnunterschied mit zunehmender Beschäftigungsdauer zugunsten der Männer größer.

Frauen, die Betriebswirtinnen sind oder einen vergleichbaren akademischen Beruf ausüben, verdienen zu Beginn ihrer Karriere 5 % mehr als Männer und in der Gruppe mit einer Erfahrung zwischen 6 und 10 Jahren gibt es hier keinen geschlechtsspezifischen Lohnunterschied. Nach einer Berufserfahrung von 11 Jahren wendet sich das Blatt: Ab dann verdienen Frauen 9 % weniger als Männer, was jedoch nicht anhält. Nach 20 Jahren Berufserfahrung ist das Gehalt der Frauen wieder größer als jenes der Männer (4 %). Im Bereich Recht, Soziales und Kultur besteht in der Beschäftigungsgruppe mit bis zu 10 Jahren Berufserfahrung kein geschlechtsspezifischer Lohnunterschied. Weibliche Berufstätige mit einer Erfahrung zwischen 11 und 20 Jahren verdienen 6 % mehr als Männer, aber nach 20 Jahren im Beruf verdienen Männer 15 % mehr. Auch in den Bereichen Recht, Soziales und Kultur sind die Lohnunterschiede minimal. Bei einer Berufserfahrung von bis zu 5 Jahren verdienen Männer 4 % mehr als Frauen und zwischen 6 und 10 Jahren verdienen sie 5 % mehr. Ab einer Berufserfahrung von 11 Jahren verdienen die berufstätigen Frauen in diesem Bereich mehr als die Männer, durchschnittlich rund 3 %.

Der größte geschlechtsspezifische Lohnunterschied zugunsten von Männern (38 %) mit einer Berufserfahrung von bis zu 5 Jahren fällt bei den Berufen im Bereich personenbezogener Dienstleistungen auf. Männer mit einer Berufserfahrung von 6 bis 20 Jahren verdienen 12 % mehr und sogar 25 % mehr bei einer Berufserfahrung von über 20 Jahren. Große geschlechtsspezifische Lohnunterschiede sind auch unter allgemeinen Bürokräften, Schreibkräften und Datenerfassern zu verzeichnen. Die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede reichen von 1 % zu Beginn der Karriere bis zu 23 % bei einer Berufserfahrung zwischen 11 und 20 Jahren zugunsten der Männer. Unter Betriebswirten und vergleichbaren akademischen Berufen werden die geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede im Laufe der Jahre größer. Männer mit einer Berufserfahrung zwischen 6 und 10 Jahren verdienen 24 % mehr als Frauen und 20 % mehr ab 20 Jahren Berufserfahrung.

Wie kommt es zu diesem geschlechtsspezifischen Lohnunterschied?

Definiert wird der geschlechtsspezifische Lohnunterschied als ungleiche Bezahlung für die gleiche Arbeit, die mit den gleichen Fähigkeiten und Qualifikationen ausgeübt wird. Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied resultiert aus Verhaltsnsmustern und Praktiken, die auf Geschlechtertrennung ausgerichtet sind. Diese Verhaltensmuster und Praktiken verstärken die bereits existierenden ungleichen Entwicklungschancen für Männer und Frauen sowie die ungerechtfertigten Entgelte innerhalb der Berufsgruppen und Berufe. Hinweis: Die unten dargestellten geschlechtsspezifischen Lohnunterschiede gelten lediglich für die analysierten Beschäftigungen und Berufe.

Tabelle 1. Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied bei großen Berufsgruppen in Luxemburg

Beruf Jahre Berufserfahrung Männer Frauen Geschlechtsspezifischer Lohnunterschied
Bruttodurchschnittslohn €/hr Bruttodurchschnittslohn €/hr % Unterschied
Lehrkräfte 0-5 36.41 31.66 13.05%
6-10 40.27 40.13 0.35%
11-20 46.54 46.79 -0.54%
Mehr als 20 55.53 54.14 2.50%
Betriebswirte und Verwaltungsberufe 0-5 19.05 20.08 -5.41%
6-10 26.13 26.08 0.19%
11-20 36.37 33.2 8.72%
Mehr als 20 37.38 38.91 -4.09%
Berufe in den Bereichen Recht, Soziales und Kultur 0-5 23.72 23.65 0.30%
6-10 31.63 31.86 -0.73%
11-20 33.80 35.97 -6.42%
Mehr als 20 44.76 37.91 15.30%
Betriebswirte und vergleichbare akademische Berufe 0-5 15.87 15.64 1.45%
6-10 26.94 20.36 24.42%
11-20 30.78 25.8 16.18%
More than 20 37.15 29.71 20.03%
Berufe in den Bereichen Recht, Soziales, Kultur und vergleichbare Berufe 0-5 21.09 20.35 3.51%
6-10 25.05 23.88 4.67%
11-20 28.87 29.64 -2.67%
Mehr als 20 32.73 33.55 -2.51%
Allgemeine Bürokräfte, Schreibkräfte un Datenerfasser 0-5 18.76 18.51 1.33%
6-10 20.76 19.3 7.03%
11-20 24.68 19.01 22.97%
Mehr als 20 30.84 24.73 19.81%
Berufe im Bereich personenbezogener Dienstleistungen 0-5 16.89 10.54 37.60%
6-10 13.86 12.27 11.47%
11-20 14.39 12.7 11.74%
Mehr als 20 18.47 13.86 24.96%
Berufe im Verkaufsbereich 0-5 11.97 10.4 13.12%
6-10 13.26 12.3 7.24%
11-20 14.37 13.12 8.70%
Mehr als 20 21.22 15.19 28.42%

Der geschlechtsspezifische Lohnunterschied wurde ermittelt, indem die Differenz zwischen den geschlechtsspezifischen mittleren Bruttolöhnen durch den mittleren männlichen Bruttolohn dividiert wurde. Allen Berufsgruppen in der Tabelle liegen mindestens 10 weibliche und 10 männliche Antworten zugrunde.

Worum handelt es sich beim WITA-Gender-Pay-Gap-Projekt?

WITA GPG ("With Innovative Tools Against Gender Pay Gap" – mit innovativen Mitteln gegen den geschlechtsspezifischen Lohnunterschied, Januar 2015 - Dezember 2016) möchte wirkungsvoll dazu beitragen, den großen und andauernden Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern zu schließen. Dies wird durch EU-Mittel in Form eines so genannten PROGRESS-Programms mit der Bezeichnung Action Grant Nr. 4000004929 ermöglicht. Eine der Aktivitäten ist der Vergleich zwischen den Löhnen und Gehältern von Männern und Frauen auf der Ebene der Berufsgruppen und die Veröffentlichung der Ergebnisse auf den nationalen WageIndicator-Webseiten aller 28 EU-Mitgliedsstaaten und der Türkei, sowie die Verbreitung durch Pressemitteilungen.

Weitere Informationen zum WITA-Projekt finden Sie unter

Weitere Informationen zu geschlechtsspezifischen Lohnunterschieden in Luxemburg finden Sie unter WageIndicator.lu

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